Herbert Grönemeyer im Porträt

Grönemeyer: "Radio ist der Turbolader fürs Leben!"

Herbert Grönemeyer bei einem Konzert am 17. Oktober 1984 in Frankfurt/M. ©Jürgen Dürrwald/dpa - Bildarchiv © dpa - Bildarchiv

Herbert Grönemeyer damals: 1984 begann seine Erfolgsgeschichte.

Liebe auf den ersten Ton war es nicht. Weder zwischen Herbert Grönemeyer und seinen Fans, noch zwischen dem Sänger und den Radiosendern. Grönemeyers erste vier Platten fielen beim Publikum mehr oder weniger durch. Und als der gebürtige Göttinger endlich den Dreh raus hatte und sich anschickte, erstmals die Top Ten der Charts zu erobern, sperrten sich zunächst die Radiosender: "'Männer' wurde anfangs nicht im Radio gespielt, weil die Radiomacher sagten: 'Wir verstehen den nicht. Der singt so komisch", erinnert sich Grönemeyer im Interview für den Deutschen Radiopreis.

Herbert Grönemeyer vor blauem Hintergrund am Mikrophon. © Imago/Future Foto: C. Hardt

Herbert Grönemeyer: "Mein Lebensstrahlen"
Nicht nur war das Radio ein bedeutender Bestandteil seiner Karriere, auch in seiner Freizeit hört Herbert Grönemeyer von morgens bis abends Radio. Seine Beziehung zum Radio würdigte er beim Radiopreis mit der Ballade "Mein Lebensstrahlen".

"4630 Bochum" beschert Grönemeyer 1984 den Durchbruch

Heute lacht Grönemeyer über diese Startschwierigkeiten. Mit mehr als 17 Millionen verkauften Tonträgern zählt er zu den erfolgreichsten deutschen Musikern überhaupt. Das Album mit dem schlichten grauen Cover und dem noch schlichteren Titel "4630 Bochum" bescherte Herbert Grönemeyer 1984 den Durchbruch - und gleich mehrere musikalische Denkmäler. Die Single-Auskopplungen "Männer", "Alkohol" und "Flugzeuge im Bauch" dürften auch 35 Jahre später noch so gut wie alle Radiohörer mit Grönemeyer verbinden. Mit der Liebeserklärung an das Ruhrgebiet, wo Grönemeyer aufwuchs, begann außerdem eine außergewöhnliche Erfolgsserie, die bis heute anhält: Ausnahmslos jedes Album, das Grönemeyer seitdem veröffentlicht hat, erreichte die Chart-Spitze.

Vom "Knödeltenor" zum "Popbundespräsidenten"

Herbert Grönemeyer singt beim Eröffnungsspiel Deutschland - Costa Rica bei der WM 2006 © dpa-Report Foto: Alexander Rüsche

2006 lieferte Grönemeyer den Soundtrack zum WM-Sommermärchen.

Ausgerechnet der von manchen Kritikern als "Knödeltenor" verspottete Gesang ist Grönemeyers markantestes Markenzeichen geworden. Mit seiner eigenwilligen Art bewegt und berührt er die Fans. Mal voller Energie und dynamisch wie mit dem berühmten "Mambo" oder der WM-Hyme von 2006, "Zeit, dass sich was dreht". Und mal wehmütig und traurig wie mit der wohl persönlichsten Ballade seiner Karriere, "Der Weg". Eine besondere Ironie: 1995 lud MTV den knödelnden Grönemeyer als ersten deutschsprachigen Künstler zu seiner "Unplugged"-Reihe ein.

Aus den inzwischen 15 Studioalben sticht besonders "Mensch" hervor, mit dem sich Grönemeyer 2002 nach zwei persönlichen Schicksalsschlägen zurückmeldete. Auf dem Album nahm ein verletzlicher und nachdenklicher Grönemeyer seine Fans mit auf die Suche nach einem Neuanfang. Damit traf er den Nerv der Zeit. Mehr als drei Millionen Mal verkaufte sich die CD und wurde zu Grönemeyers größtem kommerziellen Erfolg.

Herbert Grönemeyer bei einem Konzert 2017. © dpa Picture Alliance Foto: Ben Kriemann

Regelmäßig füllt Herbert Grönemeyer die Stadien und Hallen.

Immer wieder zeigt Grönemeyer in seinen Songs auch klare Kante. Als Anfang der 90er-Jahre ausländerfeindliche Ausschreitungen und Anschläge Rostock, Mölln und Solingen erschütterten, setzte er sich im Song "Die Härte" mit dem aufkommenden Rechtsradikalismus auseinander. Auch mit seinem aktuellen Album "Tumult" horcht er wieder in die aufgeregten und verunsicherten Debatten der deutschen Gegenwart hinein und bezieht klar Stellung. Manche Kritiker bezeichnen Grönemeyer dafür als "Gewissensbarde" der Nation, andere verleihen ihm den Rang des "Popbundespräsidenten".

Liebeserklärung an das Radio

Herbert Grönemeyer mit Tina Knop vom rbb und Julia Wechler von RTL. © Deutscher Radiopreis / Kay-Christian Säger Foto: Kay-Christian Säger

Herbert Grönemeyer beim Interview für den Deutschen Radiopreis.

An seinem Erfolg hat auch das Radio einen bedeutenden Anteil, ist sich Grönemeyer sicher: "Ohne das Radio wäre die Karriere glaube ich gar nicht so möglich gewesen", sagt der 63-Jährige heute. Zeitweise spielten die deutschen Programme Grönemeyers Hits täglich bis zu 100 Mal. Und auch wenn der Sänger selbst seine Stimme nicht on air hören mag, so ist Grönemeyer dem Medium doch eng verbunden. Das Radio läuft in seiner Berliner Wohnung von morgens bis abends - gerne mit Sendern, die Drum 'n' Bass und Hip Hop im Programm haben. "Wenn ein Radiosender eine gute Mischung hat, dann macht einem das gute Laune. Dann ist das für ganz viele Menschen und für mich ein ganz elementarer Beschleuniger durch den Tag", schwärmt Grönemeyer. Radio sei ein "Turbolader fürs Leben".

Beim Deutschen Radiopreis 2019 würdigt Herbert Grönemeyer diese enge Beziehung zum Radio mit einem besonderen Auftritt. Bei der Jubiläumsgala in der Hamburger Elbphilharmonie präsentiert er ein eigens für den Abend komponiertes Arrangement der Ballade "Mein Lebensstrahlen". Außerdem können die Gala-Gäste im großen Saal und die Zuschauer im Livestream Herbert Grönemeyer mit der aktuellen Single "Fall der Fälle" live erleben.

Stand: 22.08.19 16:00 Uhr